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1985 (7) Heft 1


Editorial | Inhalt | Abstracts

In diesem Heft beginnen wir mit einer Reihe von Aufsätzen zu zwei thematischen Schwerpunkten: Grundlagenprobleme der Psychoanalyse und das Verhältnis von soziologischer und analytischer Handlungstheorie. In der Psychoanalyse deutet einiges darauf hin, daß die theoretische Diskussion in eine neue Phase tritt. Bisher konnte die psychoanalytische Praxis nur modellhaft oder abstrakt zum Gegenstand der Forschung gemacht werden, nur in Ausnahmefällen hatten Wissenschaftler direkten Zugang zur psychoanalytischen Situation. Seit einige Analytiker Tonbandaufnahmen von Sitzungen machen, die als Typoskripte zugänglich sind, hat sich dies geändert. Auf der Grundlage dieses Materials eröffnen sich der Forschung neue Perspektiven für Fragestellungen, deren Beantwortung bisher spekulativ bleiben mußte:

  • Welches Verhältnis besteht zwischen psychoanalytischer Theorie und Praxis? Kann die Theorie eine Anleitung für diese Praxis sein? Welches Verhältnis besteht zwischen einer Anwendung von Theorien und einem empathischen Vorgehen bei der Therapie?
  • Was ist die Besonderheit der psychoanalytischen Gesprächssituation? Werden alltägliche Konventionen außer Kraft gesetzt? Bleiben Analytiker im assertorischen Modus - bestehen ihre Beiträge nur aus Fragen, Vermutungen und Behauptungen - oder empfehlen sie, kritisieren sie auch? Was für eine Rolle spielen wertende Äußerungen im psychoanalytischen Gespräch?
  • Treffen kommunikationstheoretische Modelle zu? Leiden Patienten unter Kommunikationsstörungen und lassen sich therapeutische Interventionen als Mittel zur Behebung solcher Störungen begreifen?
  • Was ist als therapeutischer Fortschritt zu verstehen, was als psychischer Lernprozeß? Lassen sich solche Lernprozesse am Material nachweisen und was sind ihre Ursachen?
Die Beiträge in ANALYSE & KRITIK werden sich im Vorfeld einer Theorie des psychoanalytischen Gesprächs bewegen, es wird u. a. um die Beziehung zwischen psychoanalytischer Theorie und therapeutischem Prozeß gehen, die Bedeutung von Selbstbildern in der klinischen Arbeit, die Begriffe 'Abwehr' und 'Selbsttäuschung' und den therapeutischen Grundsatz: 'Wo Es war, soll ich werden'.

Ebenfalls in diesem Heft beginnt eine Folge von Aufsätzen, die zu einer Diskussion zwischen soziologischer und analytischer Handlungstheorie beitragen sollen - zwei Disziplinen, die zwar beide denselben Gegenstand haben, trotzdem so gut wie keine Notiz voneinander nehmen. Die soziologischen Handlungstheorien sind vor allem mit sozialen, also den 'aufeinander bezogenen' Handlungen mehrerer Akteure befaßt, die sie durch äußere, in der Regel soziale Umstände erklären wollen. Die analytische Handlungstheorie hat sich dagegen weitgehend darauf beschränkt, allgemeine Merkmale menschlichen Handelns zu analysieren und Handlungen durch die individuell-mentalen Voraussetzungen einzelner Akteure zu erklären. Thematisch steht also dem sozialen Handeln auf der einen das individuelle Handeln auf der anderen Seite gegenüber.

Aber auch soziologische Handlungstheorien müssen notgedrungen Annahmen über die Struktur individueller Handlungen machen und spätestens seit Max Webers "Soziologischen Grundbegriffen" haben sie explizite definitorische und typologische Überlegungen in dieser Hinsicht angestellt. Andererseits ist die bisherige Beschränkung der analytischen Handlungstheorie auf individuelles Handeln kein Grunddogma dieser Disziplin, wie das neue Buch von Raimo Tuomela "A Theory of Social Action" (Dordrecht 1984) eindrucksvoll demonstriert. In diesem Buch - auf das wir im nächsten Heft ausführlicher eingehen wollen - werden zum ersten Mal in einer für die analytische Methode typischen Weise die Merkmale sozialer Handlungen sowie sozialer Handlungserklärungen detailliert untersucht. Es macht deutlich, daß die soziologischen Handlungstheorien eine begriffliche und methodische Vorklärung ihres Gegenstandes benötigen, zu der die thematisch erweiterte analytische Handlungstheorie sicher etwas beitragen kann.

Die Aufsätze zur Psychoanalyse wurden von unserem Freund und Kollegen Martin Löw-Beer zusammengestellt und betreut.

 

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